Mein Freund Franco in Italien hat sich vor einiger Zeit eines dieses seltenen Fahrzeuge gekauft.
Es ist absolut original und in sehr gutem Zustand.
Dieses Foto zeigt ihn auf seiner allerersten Fahrt zusammen mit dem Vorbesitzer. Franco sagte mir, es sei sehr schwierig damit zu fahren. Einige Bedienungselemente sind wie beim Auto, andere wie beim Motorrad und es gibt alle möglichen Knöpfe und Hebel.
Wenn ich im Juni in Italien bin, werde ich natürlich auch einmal versuchen damit fahren.
Doch nun eine kurze Geschichte
über die "Moto Guzzi 3x3":
Ende der Fünfziger hatte der italienische General Garbari eine geniale Idee.
Bisher waren es Maulesel, die Material und Munition für das Militär auf den engen,
steilen Bergpfaden der Alpen transportierten. Doch Mulis brauchen Futter, Pflege und
meist waren sie störrisch.
Also mußte ein Fahrzeug her, das ebenso klettern konnte, aber schneller und
pflegeleichter war - ein "mechanisches Muli".
Die Aufgabe, diese Idee in die Tat umzusetzen, erhielten Motor Guzzi wegen
ihrer spezieller Erfahrung im Bau von dreirädrigen Transportfahrzeugen und
die Casa di Mandello. Von deren Technikern wurde das neue Fahrzeug entwickelt,
zuerst von Micucci, dann von den Ingenieuren Soldavini und Carcano.
Herausgekommen ist ein höchst interessantes Fahrzeug.
Ohne Karrosserie wirkt es zwar ziemlich spartanisch, ist aber technisch sehr kompliziert
und wirkungsvoll.
In den Jahren 1960 bis 1963 hat das Unternehmen 420 Mulos gebaut - 20 Prototypen
und jeweils 200 der ersten und zweiten Serie. Und die Maulesel wanderten in die Salami.
Francos Mulo mit der Fahrgestellnummer AB 0016
ist eines der ersten Serie.
Angetrieben wird die "Moto Guzzi 3x3" durch den großen Zweizylinder-V-Benzinmotor
mit 754 ccm, 20 PS/4.000 und Weber-Vergaser, den Carcano zuvor eigentlich mehr aus Spaß entwickelt hatte und jetzt für dieses Fahrzeug modifizieren konnte.
Damit wird eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h erreicht.
Viel interessanter als die Maschine ist die "Orgia di ingranaggi", die Orgie von
Zahnrädern, wie die italienische Zeitschrift MOTO es nennt.
Das Getriebe hat 6 Gänge plus Rückwärtsgang und treibt direkt das vordere,
lenkbare Rad an. Der Antrieb zu den beiden Hinterrädern, die die Maximallast von
500 kg zu tragen haben, erfolgt über eine Kardanwelle.
Die drei Räder haben natürlich einen permanenten Allradantrieb.
Ein zentrales Differenzial verteilt die Kraft zwischen den Vorder-und Hinterrädern
und hat eine manuell zu betätigende Differenzialsperre - auch das hintere Differenzial
hat eine solche Sperre.
Doch damit nicht genug.
Um auch auf sehr engen Pfaden mobil zu sein, kann die breite, hintere Spur von
1.300 mm variabel bis zu einer Breite von 850 mm reduziert werden.
Damit kommt man fast überall durch.
Durch zwei zusätzlich angebrachte Schwingarme können die Hinterräder mit breiten
Raupenketten für schwieriges Gelände ausgestattet werden, die bei Nichtgebrauch in
der hinteren Ablage verschwinden.
Dadurch hat das "Mulo" nicht nur einen Mini-Wendekreis von 2,20 Metern,
sondern kann auch ganz schön hoch klettern, wie das Foto zeigt.
Mit Allrad und Ketten überwindet es spielend Hindernisse von bemerkenswerter Höhe
und seine Kletterfähigkeit wird praktisch nur durch die physikalischen Gesetze gestoppt.
Aber auch das "Muli" hat seine Grenzen.
Die praktische Handhabung ist sehr kompliziert, was Franco bestätigen kann.
Auch besteht immer die Gefahr, seitlich umzukippen.
Trotzdem - um die Alpen abseits der Straßen zu überqueren ist dieses "mulo"
das Beste außer einem Muli und..........

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Letzte Änderung: 5.Mai 1997
© Jochen "Ty" Tydecks / Hamburg